Über die Ostsee in die Freiheit

Eine Ausstellung in Hamburg vom 04. Juni - 08. Juli 2010

In den 28 Jahren seit dem Bau der Berliner Mauer versuchten mindestens 6500 Menschen eine Flucht über die Ostsee. Die bekannten und unbekannten Opfer nach ihrem Untergang in der Ostsee vor dem Versinken im Meer des Vergessens zu bewahren, war das Ziel dieser Ausstellung.

Über die Ostsee in die Freiheit


Die Ausstellung ist faszinierend wie bedrückend zugleich. Die zum einen den Einfallsreichtum, die jahrelange detailgetreue Planung und Durchführung der Fluchten, das Geschick beim Bau der unterschiedlichsten Fluchtfahrzeuge sowie der Mut, den die Flüchtlinge auf sich nahmen, bewegend darstellt. Bedrückend jedoch, dass zahlreiche Fluchtversuche im Gefängnis oder in der Ostsee endeten.

Anders als die Westgrenze oder der „Ring um Berlin“, die Ostsee kann man nicht einfach einmauern. Die Flüchtlinge gerieten auch hier ins Visier. An der Küste unterhielt die 6. Grenzbrigade ein ausgeklügeltes Observationssystem: 70 Beobachtungstürme, motorisierte Funkmesszüge und mobile Kommandos mit Suchscheinwerfern mit einer Reichweite von 18 km. 

Über die Ostsee zu schwimmen bedeutete ein besonders hohes Risiko für Leib und Leben. Der Tod drohte durch Unterkühlung, Entkräftung und Ertrinken. Die meisten Schwimmer wählten eine möglichst kurze Strecke von 30 km, z.Bsp. von Boltenhagen nach Travemünde oder nach Grömitz.

Wegen geringerer Bewachung wählten andere die wesentliche längere Strecke von ca. 50 km von Kühlungsborn oder Warnemünde nach Schleswig-Holstein oder sogar nach Dänemark. Manche trainierten dafür 2 Jahre lang, so auch Peter Döbler.

Andere, wie Karsten Klünder und Dirk Deckert surfen im November 1986 durch den Herbststurm vor Hiddensee in Richtung Mön. Doch sie verlieren sich.

1967 baute Bernd Böttger den ersten Aqua-Scooter, mit dem ihm 1968 die Flucht gelang. In einer Hamburger Motorenfabrik entwickelte er ein Fluchtfahrzeug zur Serienreife, dass später mehrmals in die DDR geschmuggelt wurde, um wiederum Menschen zur Flucht zu verhelfen. 

So auch Alfred K.: Am16. September 1982 flüchtete er von Kühlungsborn aus. Mit ungefähr 5 km/h zog ihn der Scooter durch die Ostsee, die BGS See sollte ihm, wie geplant, zu Hilfe kommen. Doch die 6. Grenzbrigade kam ihm zuvor und zwingen ihn nach 15 Stunden, außerhalb der Hoheitsgewässer, an Bord.

Manfred und Wolfgang Kleistner bauten ein Torpedo-Boot aus Spundholz, damit das Radar sie nicht erwischt. Doch sie haben es nicht geschafft…einem freiwilligen Helfer waren die Männer aufgefallen und er alarmierte die Grenzer. Nach 3 Monaten U-Haft wurden sie zu 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt. 

Der letzte Ostseeflüchtling war Mario Wächter. Am 2. September 1989 gegen 22.30 Uhr begann er seine Flucht vom Strand der Wohlenberger Wiele. Im kurzen Neoprenanzug, der einzige, den man in Berlin kaufen konnte. Über Arme und Beine zog er sich schwarze Strümpfe und über den Kopf eine Maske, damit man die helle Haut nicht erkennen konnte. Am frühen Morgen fahren zwei Grenzboote an ihm vorbei, doch er hatte Glück.

Am Nachmittag sichtete die Crew der „Peter Pan“ den Flüchtling und leitet ein Rettungsmanöver ein. In einer dramatischen Aktion gelang es, ihn in letzter Sekunde vor dem Zugriff durch ein DDR-Grenzboot zu retten. 17.30 Uhr war er in Sicherheit. Er schwamm 19 Stunden 38 Kilometer durch die 15Grad kalte See.

Kapitän Hauke von der „Peter Pan“: 1962 bis Ende 2000 fuhr er auf Schiffen der TT-Linie. Seit 1972 als Kapitän überwiegend im Fährverkehr auf der Route Travemünde-Trelleborg. Er erlebte fast die ganze Zeit der Mauerjahre in der Lübecker Bucht und der Ostsee mit. Während dieser Zeit rettet er und seine Mannschaft ca. 15 DDR-Flüchtlinge aus Seenot, die meisten in der Gedser-Enge.

 

 

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