Revolution im Schnelldurchlauf

Jens Schöne zeichnet die Etappen von 1989 bis zur Deutschen Einheit nach

Revolution in Berlin

Bundesarchiv Bild 183-1989-1104-002, Foto: Hubert Link

Wie fing die Friedliche Revolution an? Wann hat Genscher den Flüchtlingen in der Prager Botschaft ihre Ausreiseerlaubnis mitgeteilt? Wer die Abläufe der beiden ereignisreichen Jahre von 1989 bis zum 3. Oktober 1990 in einer kurzen Zusammenfassung nachlesen möchte, ist mit der Einführung "Die Friedliche Revolution" gut bedient.

Es ist kein Buch für Spezialisten. Jens Schöne liefert jedoch eine solide, gut geschriebene Darstellung der revolutionären Ereignisse, die zur staatlichen Einheit Deutschlands führten.

Im Zeitraffer präsentiert er zunächst die wichtigsten Stationen der DDR-Geschichte von ihrer Gründung 1949 bis zur maroden Situation am Ende der 1980er Jahre. Den Anfang der epochalen Veränderung sieht er im Mai 1989, als die Fälschung der Kommunalwahlen nicht länger hingenommen wurde und sich offener Widerstand gegen die SED-Herrschaft formierte. Von diesem Punkt aus zeichnet der Autor chronologisch die Vorgänge nach: von der Ausreisewelle im Sommer 1989 über die Botschaftsbesetzungen von Warschau, Budapest und Prag im August und September bis zu den bahnbrechenden Vorgängen auf den Straßen von Ost-Berlin und Leipzig im Herbst 1989, die zur Öffnung und schließlich zum Fall der Mauer führten. Die Lektüre ist eingängig und man folgt chronologisch dem Lauf der Dinge.

Komplizierter werden die Entwicklungen nach dem Mauerfall. Die Besetzung der Stasi-Zentralen, die Beratungen des Runden Tisches und schließlich die Volkskammerwahlen im März 1990 werden einerseits als historische Weichenstellungen betrachtet. Jens Schöne – Friedliche RevolutionAndererseits zeigt sich aber auch, dass die chronologische Ordnung bei Vorgängen, die sich zum Teil überlagern, nicht immer zu halten ist. Sehr knapp stellt Schöne dann die Entwicklungsstränge nach der ersten und letzten freien Wahl der DDR im März 1989 dar. Die Währungsunion und politischen Debatten über die Verwirklichung der Deutschen Einheit werden kurz beleuchtet. Die Darstellung ist kompakt, erscheint in diesem Teil jedoch arg gedrängt. Die komplexe soziale, wirtschaftliche und außenpolitische Dimension der Einigung bleibt daher notgedrungen ausgespart. Das ist bedauerlich. Ein wenig mehr Raum für die folgenreichen Verwicklungen und Debatten hätte dem reich bebilderten Buch an dieser Stelle gewiss nicht geschadet.

Natürlich könnte man dem Buch vorwerfen, hier würde Geschichte zum Merchandisingprodukt eines Verlags, der seine Kunden hauptsächlich Unter den Linden sucht. Das wäre allerdings ein voreiliger Schluss. Denn so wenig Zweifel es an der Kompetenz des Verfassers gibt, so wenig fragwürdig erscheint das Unternehmen, einem breiten Publikum das Thema der "Friedliche Revolution" auf fundierte Art und Weise nahe zu bringen.

Insofern bietet Schöne eine klare, gut lesbare Einführung für diejenigen, die nichts über die Friedliche Revolution wissen, und eine hilfreiche Gedächtnisstütze für alle anderen, die ihre Erinnerungen auffrischen und sich wieder einen Überblick verschaffen möchten.

Jochen Thermann

Jens Schöne: Die Friedliche Revolution. Berlin 1989/90 – Der Weg zur Deutschen Einheit. Berlin: Berlin Story Verlag 2008, 139 Seiten

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Kommentare

N.Bertram    (30.03.2009 09:46h)
Ob Berlin so wichtig war, kann man ja erstmal zur Seite lassen. Dennoch Dank für die Empfehlung. Kannte das Buch noch nicht. Ist ja mal kein 500 seitiges Wissenschaftlerbuch. Nicolai Bertram

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