
Die Geschichte der Staatssicherheit bei Bayern 2
Diese Woche wird Radio wieder ein reichhaltiges Programm zur Wendezeit geboten. Aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums der Treuhand sendet SWR2 am Freitag eine Diskussion zur heutigen Sicht auf den "Ausverkauf" der DDR nach der Wende. Das sechzigjährige Jubiläum der Berlinale wird zum Anlass für zwei Radiobeiträge genommen. Am Sonntag informiert NDR Kultur, am Donnerstag Kulturradio RBB über das bekannte, deutsche Filmfest, das schon während des Kalten Krieges Brücken für die Filmkunst in Ost wie West schuf. Am Montag beleuchten Bayern 2 und Bayern 2 plus die Geschichte des ostdeutschen Staatssicherheitsdienstes. Zu hören ist dort u.a. der Physiker und Oppositionelle Robert Havemann.
* * *
* * *
Fr, 05.02.10, 05.45 Uhr, Deutschlandradio Kultur
Titel: Kalenderblatt
Form: Dokumentation
Länge: 5 Minuten
Vor 20 Jahren: Vertreter der bisherigen Oppositionsparteien treten in die DDR-Regierung unter Hans Modrow ein.
Wiederholung: Fr, 05.02.10, 09.05 - 09.10 Uhr, Deutschlandfunk
* * *
Fr, 05.02.10, 17.05 Uhr, SWR2
Titel: 20 Jahre Treuhand – Wie wird der Ausverkauf der DDR heute gesehen?
Form: Diskussion
Länge: 45 Minuten
Es war eine Operation am offenen Herzen einer Volkswirtschaft: Für 8.000 volkseigene Betriebe der DDR mit zuletzt vier Millionen Beschäftigten sollte die Treuhandanstalt in nur vier Jahren einen Käufer finden. Ihr Geschäftsprinzip "Privatisieren statt sanieren", aber auch das oft arrogante Auftreten ihrer Manager und der immer wieder geäußerte Korruptionsverdacht sorgten in den neuen Bundesländern regelmäßig für Empörung über den größten Staatskonzern, den es je in der deutschen Geschichte gab. Wie fällt die politische und ökonomische Bilanz der Treuhand heute aus? Sind damals die Weichen gestellt worden für die De-Industrialisierung weiter Teile Ostdeutschlands – und für jahrzehntelange Massenarbeitslosigkeit? Wurde Vermögen leichtfertig verschleudert? Ist die Treuhand mitverantwortlich für die antiwestliche Stimmung vieler Ostdeutscher in den 1990er Jahren? Hätte es Alternativen gegeben?
Wiederholung: Fr, 05.02.10, 22.15 Uhr, SWR contra / Sa, 06.02.10, 11:05 Uhr, SWR contra
* * *
Fr, 05.02.10, 19:15 Uhr, Deutschlandfunk
Titel: Feuersturm im deutschen Rundfunk. Dresden, Februar '45
Form: Dossier
Die alliierten Luftangriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 waren ganz ohne Zweifel ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Stadt. Die mittelalterliche und die barocke Innenstadt sowie viele Wohngebiete wurden zu großen Teilen zerstört. Die Zahl der menschlichen Opfer war groß, vor allem deshalb, weil die Bevölkerung weitgehend ungeschützt war - einen Bunker besaß nur der Gauleiter.
Bis heute lastet die Erinnerung an die Brandnächte auf den Überlebenden; das Trauma wurde von Generation zu Generation weitergegeben, es wurde gepflegt statt befragt. Der Angriff auf die Stadt diente von Beginn an der Propaganda: zunächst wollten die Nazis - drei Wochen nach der Befreiung von Auschwitz - ein letztes Aufbäumen der Deutschen gegen die Alliierten erreichen, später nutzte die DDR-Regierung den "Feuersturm" als Argument gegen die Westmächte im Kalten Krieg. Und die Medien spielten mit.
* * *
* * *
Sa, 06.02.10, 13:05 Uhr, Bayern 2 / Bayern 2 plus
Titel: "Geh doch rüber!" Von Menschen, die in die DDR übergesiedelt sind
Form: Feature
Länge: 55 Minuten
Die Auswanderung von Bundesbürgern in die Deutsche Demokratische Republik ist bis heute ein Tabuthema. Immer noch gibt es Politiker und Historiker, die eine öffentliche Diskussion darüber am liebsten verhindern möchten: Dass zwischen 1949 und 1989 relativ viele Menschen nach drüben gingen, wird nach wie vor als Angriff auf die freiheitlich demokratischen Werte des Westens begriffen. Aber welche Gründe hatten die Übersiedler tatsächlich, das politische System zu wechseln? Oft waren es nicht ideologisch verbohrte Kommunisten oder weltfremde Spinner, die nach drüben gingen. Ihre Motive reichten von der Liebe, die in den Osten lockte, über berufliche Chancen, die der Sozialismus bot, bis zu dem unbestimmten Gefühl, einfach ein neues Leben beginnen zu wollen. Wie erlebten die Übersiedler ihr neues Deutschland? Was taten sie, als 1989 die Mauer fiel?
Moritz Holfelder spürt in seinem Feature "Geh doch rüber!" den Gedanken der Auswanderer nach und verankert ihre Schicksale im großen Rahmen der Weltgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In collageartigen Kompositionen lassen die Protagonisten die Hörerinnen und Hörer an ihren spannenden Biographien teilhaben, darunter der Wiener Burgschauspieler Otto Tausig und die Autorin Gisela Kraft.
"Geh doch rüber" öffnet ein weitgehend unbekanntes Kapitel der deutsch-deutschen Teilung und stellt darüber hinaus die Frage nach dem richtigen Leben im falschen: Welches politische System braucht der Mensch, um glücklich zu werden?
Wiederholung: So, 07.02.10, 21.05 Uhr, Bayern 2 / Bayern 2 plus
* * *
Sa, 06.02.10, 20:05 Uhr, Deutschlandfunk
Titel: Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle
Form: Hörspiel
Länge: 115 Minuten
"Wahnsinn!" war eine der Lieblingsvokabeln der Deutschen in jenem November 1989, als ohne Vorwarnung plötzlich die Mauer fiel. Was es für den Einzelnen bedeutete, an jenem Abend zur Grenze zu gehen oder zu fahren, welche Zweifel diejenigen begleiteten, die sich zum Grenzübergang aufmachten, erzählt Thilo Reffert in seinem O-Ton-Hörspiel am Beispiel seiner eigenen Familie. Mutter Annemarie und Schwester Juliane setzten sich am 9. November 1989 abends kurz nach 20 Uhr in Magdeburg in den damals noch ziemlich neuen Wartburg (die "Fahrgastzelle") und fuhren Richtung Marienborn, um auszuprobieren, ob man sie tatsächlich in den Westen lassen würde ... Refferts Hörspiel macht nach all den vielen Gedenksendungen noch einmal deutlich, was für einen großen Schritt manche DDR-Bürger damals wagten und wie sie mit diesem Schritt Geschichte machten. Er fährt gemeinsam mit Mutter und Schwester den Weg 20 Jahre danach noch einmal nach und erzählt, wie man davon abends bei einem guten Wein den eigenen Freunden erzählen würde: sympathisch, ohne jedes Pathos und mit leichter Ironie.
* * *
* * *
So, 07.02.10, 19:00 Uhr, NDR Kultur
Titel: Ein Fest für den Film. Gedanken zur Zeit
Form: Dokumentation
Als sie 1951 mit tatkräftiger Unterstützung der Alliierten aus der Taufe gehoben wurde, gab es Feuerwerk in der Waldbühne und Auto-Korsos vor dem Steglitzer Titania-Palast. In diesem Jahr feiert die Berlinale am Potsdamer Platz ihr 60. Jubiläum, sie feiert sich selbst und blickt zurück auf die eigene turbulente Geschichte. Ein Kind der Nachkriegszeit und des Kalten Kriegs, wagten die Filmfestspiele schon früh Brückenschläge für die Filmkunst in Ost und West. Als Publikumsfestival und Plattform für das politische Kino läuft die Berlinale ihren Konkurrentinnen Cannes und Venedig seitdem den Rang ab. Wobei der Glamour nicht zu kurz kommt, spätestens seit Sophia Loren und Gina Lollobrigida sich am Kurfürstendamm wahre Divenkriege lieferten. Christiane Peitz über den Festivalzirkus und warum wir ihn lieben, bis heute.
* * *
* * *
Mo, 08.02.10, 09:05 Uhr, Bayern 2 / Bayern 2 plus
Titel: Bildung von A – Z: Ein deutscher Geheimdienst - die Stasi wäre 60
Form: Dokumentation
Länge: 55 Minuten
Im Februar 1950 genehmigte die Sowjetunion der vier Monate zuvor gegründeten DDR den Aufbau eines "Ministeriums für Staatssicherheit", das bald alle Welt nur noch "die Stasi" nannte. Spätestens mit der Berufung von Erich Mielke zum zuständigen Minister im Jahr 1957 entwickelte sich die Geheimpolizei zum Staat im Staat. Die etwa 90.000 offiziellen Mitarbeiter führten Geheimagenten in der Bundesrepublik und anderen westlichen Staaten, beschützten abgetauchte RAF-Terroristen, unterwanderten die Gesellschaft. Denn zu den Hauptamtlichen kam ein Heer von "inoffiziellen Mitarbeitern", abgekürzt: IMs. Ihre Zahl wird heute auf circa 200.000 geschätzt. In jedem Betrieb, jeder Gemeinde, zum Teil sogar in der eigenen Familie horchten Menschen ihre Kollegen, Angehörigen, Mitbewohner aus.
Die Stasi hatte eigene Gefängnisse, eine eigene Universität, eigene Sportklubs, eigene Ferienheime. Sogar die besten Fußballer der DDR kamen von der Stasi: die des Berliner Klubs "Dynamo". Rainer Volk erzählt eine kurze Geschichte der Stasi.
Im zweiten Feature beschäftigt sich Dorit Kreissl mit einem Mann, der selbst kurz für die Stasi spitzelte, bevor er zum Dissidenten wurde - Robert Havemann. Der Physikochemiker schloss sich schon 1933 dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus an. Als Mitbegründer der Gruppe "Europäische Union" wurde er 1943 zum Tode verurteilt. Befreundete Wissenschaftler erreichten wiederholt den Aufschub der Hinrichtung, bis die Rote Armee im April 1945 das Zuchthaus befreite. In den Nachkriegsjahren engagierte sich Havemann vorbehaltlos für den Aufbau der DDR, als kommunistische Alternative zur Bundesrepublik. Doch die Enthüllungen über stalinistische Verbrechen im Jahre 1956 bewirkten seinen Wandel - er wurde zu einem der bekanntesten Kritiker des SED-Regimes. Bis zu seinem Tod im Alter von 72 Jahren im April 1982 wurde er ständig überwacht und verfolgt.
* * *
Titel: SWR2 Leben: Ein Yankee in Ost-Berlin. Joel Agees Reise durch die politischen Systeme von Ost und West
Form: Reportage
Länge: 25 Minuten
Mit acht kam er in die Sowjetische Besatzungszone, ein Jahr vor dem Mauerbau verließ er die DDR, rechtzeitig zum 9. November 1989 war er wieder da: Joel Agees Bekanntschaft mit dem realexistierenden Sozialismus beruht auf einem biografischen Zufall. Seine Mutter, die US-Amerikanerin Alma Agee, heiratete im mexikanischen Exil den antifaschistischen Schriftsteller Bodo Uhse, der in der jungen DDR zu einem der führenden Kulturfunktionäre wurde. Die Familie führte das privilegierte Leben der Nomenklatura, doch der Junge eckte im Erziehungssystem der DDR ständig an. Schließlich schmiss er die Schule und wurde Werftarbeiter. 1960 ging Joel Agee mit Mutter und Stiefbruder zurück in die USA - ein fremdes Land, in dem er nie gelebt hatte. Nach stürmischen Lehr- und Wanderjahren als Hippie wurde er Übersetzer und Schriftsteller - wie sein leiblicher Vater, der Pulitzerpreisträger Jim Agee. Joel Agee übertrug Dürrenmatt ins Amerikanische, schrieb ein Buch über seine DDR-Erfahrungen und reportierte für die "New York Times" über die Wende in Ost-Berlin. Ein Leben als Reise durch die politischen Systeme von Ost und West.
Mo, 08.02.10, 22.00 - 23.30 Uhr, MDR Figaro
Titel: 80. Geburtstag von Wieland Förster am 12. Februar: "Nachts die Verhöre"
Form: Hörspiel
Länge: 90 Minuten
Im September 1946 wird der 16-jährige Dresdener Wieland Förster verhaftet und im Dezember desselben Jahres auf der Grundlage eines Kontrollratsgesetzes zu zehn Jahren Zwangsarbeit wegen - angeblichen - schuldhaften Waffenbesitzes verurteilt. Im Januar 1950 wird er dank einer Amnestie aus dem sowjetischen "Sonderlager" Bautzen entlassen. - Jahrzehnte später, Wieland Förster ist inzwischen einer der auch international angesehensten Bildhauer der DDR, suchen ihn die Bilder immer noch heim, ist der Wundschmerz nicht verstummt. Was Alptraum und Gedächtnis bezeugen, verkörpert sich, als er es schreibend zu bannen versucht, in einer szenischen Phantasmagorie, aus der es kein Entrinnen gibt. In lapidarer Sprache und bedrängender Genauigkeit beschwört er die Zelle von damals, die Mitgefangenen, die unmenschlichen Lebensbedingungen, die Folter systematischen Schlafentzugs durch die jede Nacht stattfindenden Verhöre wieder herauf. In dieser Hölle des Ausgeliefertseins offenbaren die Noch-Lebenden zwischen den Schon-Gestorbenen - ein entflohener Kriegsgefangener, ein in der Ukraine eingesetzter Landwirtschaftsführer, ein Hochstapler, ein kleiner Betrüger, ein im Suff renitenter Rotarmist - dem plötzlich unter sie gestoßenen Jungen, was Entwürdigung und Notdurft des Leibes von ihnen übrig gelassen haben: die Erbärmlichkeiten der Ohnmacht. Egoismus, Verrat und Hass: auf die Russen, auf die draußen, auf die drinnen, auf sich selbst. Sie erzählen ihre Rechtfertigungsgeschichten und kämpfen um die Hackordnung, bis der Schwächste drauf geht dabei. Und der Junge den totschlägt, der die Schuld daran hat.
* * *
* * *
* * *
* * *
Do, 11.02.10, 22:04 Uhr, Kulturradio RBB
Titel: Kein bisschen leise - 60 Jahre Berlinale
Form: Dokumentation
Die Berlinale war zunächst eine politische Gründung. Sie sollte das "Schaufenster der freien Welt" zum Osten hin sein. Bis 1955 musste West-Berlin darum kämpfen, zum exklusiven Klub der A-Festivals von Cannes und Venedig zu gehören. Die internationalen Stars kamen trotzdem. Die Berlinale war ein respektables Festival geworden: mit einer Fanmeile zwischen Bahnhof Zoo und Gedächtniskirche und dem Zoo-Palast als Premierenkino. Alles lief eigentlich wie am Schnürchen, bis 1968 die Studentenproteste begannen. 1970 wurde das Festival zum ersten und einzigen Mal abgebrochen. Es gab Streit um einen Film über den Vietnamkrieg von Michael Verhoeven. Ab 1971 wurde eine reformierte Berlinale um das "Internationale Forum des jungen Films" ergänzt. Heutzutage zeigt sie rund um den Potsdamer Platz jedes Jahr fast 600 Filme und ist das größte Publikumsfestival der Welt.
Zurück