+ + + tagesspiegel.de: Stasi-Vorwürfe – Günter Wallraff: Konspiratives Treffen mit Stasi-Mitarbeiter? + + +   + + + ostsee-zeitung.de: Teenager im DDR-Fieber + + +   + + + zeit.de: "Die Taube auf dem Dach": In der DDR verboten + + + 

"Verdächtigungskultur" und "Abstiegsregionen"

Pressespiegel vom 25.01.10 bis 03.02.2010

Pressespiegel 25.01.10 – 03.02.2010

Pressespiegel 25.01.10 – 03.02.2010

Die Presselandschaft der vergangenen Woche wurde vor allem von den Folgen der Wiedervereinigung bestimmt. Ein deutsches Zusammenwachsen war Thema zahlreicher Artikel. Das Spektrum reichte hierbei von einer "Verdächtigungskultur" der Gesamtdeutschen Linken bis hin zu einer Bestandsanalyse der deutschen "Abstiegsregionen". Nicht nur bei letzteren stellte sich die Frage:wächst zusammen, was zusammen gehört?

Die Stasidebatte in Brandenburg gewährte hierbei, wie schon in den vergangenen Wochen, Einblicke in die Problematik dieses zusammenführenden Prozesses. Die Märkische Allgemeine berichtete über den SPD-Politiker Thomas Reichel, der in der vergangenen Woche sein Stadtverordneten-Mandat in Brandenburg niedergelegt hatte, da bekannt geworden war, dass er seit 1988 als "IM Wolfgang" im Dienst der Stasi gestanden hatte. Von seinem Dienst als Lehrer war er deshalb schon freigestellt worden. Nun trennte sich auch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, für die er ebenfalls als Pädagoge tätig gewesen war, von ihm. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Brandenburgs , alle ihre Mitglieder erneut auf eine frühere Tätigkeit für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überprüfen zu lassen schien der Märkischen Allgemeinen einen weiteren Artikel wert zu sein. Saskia Hüneke (B90/Die Grünen), die den Antrag eingebracht hatte, begründete ihn damit, dass in den 1990er Jahren sich die Kräfte der friedlichen Revolution auf die neu gewonnenen Gestaltungsmöglichkeiten konzentriert hätten, während die Vergangenheit der Forschung Einzelner überlassen worden sei. Dies solle sich nun ändern.

Indirekt schaltete sich Lothar Bisky in diese Debatte ein. Für Neues Deutschland hatte er einen Artikel über die deutsche Verdächtigungskultur verfasst. Er konstatierte, dass es wohl nie möglich sein würde, in einer Gesellschaft ohne Verdächtigungen zu leben. Es stelle sich aber die Frage, ob solch eine "Verdächtigungskultur", wie sie innerhalb der Linken in Deutschland bestünde, wirklich nötig sei. Hier müsse der "Humus" für Verdächtigungskulturen ausgetrocknet werden, um endlich denunziationsfreie Kommunikationsräume zu schaffen.

Gerade diesen Humus dürfte die Junge Welt, mit ihrem Beitrag zum Austritt der Vereinigten Linken aus der Regierung Modrow vor 20 Jahren, wieder künstlich bewässert haben. Modrow habe 1990 in der "nationale Hysterie" der Wiedervereinigung klein beigegeben und mit dem Ende der DDR eine Politik des wirtschaftlichen und sozialen "Kahlschlags" eingeleitet, "von der sich der wiedervereinigte Osten nach 20 Jahren noch nicht erholt hat". Deshalb sei damals, am 02. Februar 1990, die "Initiative für eine Vereinigte Linke" (VL) aus der Regierung ausgetreten. Nach dem Mauerfall hätten dann die Westlinken ihren Beitrag zum weitgehenden Verschwinden der VL geleistet. Sofort nach dem Mauerfall hätten "maoistische und trotzkistische Sekten ihre Emissäre zwecks Mitgliederwerbung in Richtung Osten" geschickt. "Sie übten sich in Entsolidarisierung und steckten die Ostlinke mit ihren historischen Gegnern in einen Topf".

Aus der anderen politischen Ecke konterte Die Welt mit dem amüsanten Artikel "Stillosigkeit – Wo Ost und West zusammenwachsen", die, im Gegensatz zur Jungen Welt, gerade im Ende der DDR die Gefahr eines Zusammengehens linker Kräfte zu erkennen glaubte. Die damalige "Zonengrenze" habe sich mittlerweile zum "Proll-Meridian" entwickelt. Über Kleidung, Frisur, Bildung, Kirche und Kunst schlug der Autor eine breiten Bogen, um zur Erkenntnis zu gelangen,  dass bei "Ossis" die "grell-rote Tönung außen" vermehrt zur Signalfarbe für die "Gesinnung innen" geworden sei. Dies müsse, in Zusammenhang mit der "Fusion vom Unterschichtengeschmack", beunruhigen. Schließlich würde in den "Abstiegsregionen des Westens und des Ostens" die selbe "Werteerosion" stattfinden, die früher oder später immer ein Kerngeschäft der Politik ausmache.

"Werteerosionen" hatte Die Welt auch schon einige Tage vorher, in einem Artikel über "Honeckers Herbergsvater", angesprochen. Vom 30. Januar bis zum 3. April 1990 waren Erich und Margot Honecker im Pfarrhaus der Familie Holmer untergebracht worden. Über die Nähe zur Kirche hatte man versucht, den Volkszorn in Zaum zu halten und mögliche Gewaltakte an der alten Staatselite zu verhindern. Morddrohungen und Demonstranten fanden zwar auch hier ihren Weg bis vors Gartentor, zu einer praktischen Ausübung der angedrohten Gewalttaten kam es aber nicht. Angesprochen auf seine Sicht zur Entwicklung in den neuen Bundesländern seit 1990, konstatierte Holmer, dass "Äußerlich" vieles besser geworden sei. "Innerlich aber sind wir arm geworden. Ein Volk, das keine Gebote mehr kennt, in dem wird es kalt und arm".

Torben Gülstorff

 

Zurück

Kommentieren







Artikel ausdrucken

Highlights

Titelbild
Titelbild
Titelbild
left
1
right
"Wir waren auf jeden Fall ...mehr

Themen des Magazins


Dossier

Dossiers zu unseren Schwerpunktthemen wie Ausblick, Alltag, Film, Wenderomane und und und ... mehr
Im Archiv der Auseinandersetzung finden Sie… mehr mehr

RSS

RSSHier finden Sie alle Podcasts, RSS-Feeds und zukünftig unsere Widgets und Links zu unseren Twitter-, Facebook- und YouTube-Kanälen.
mehr

Partner:
 

Bundesstiftung AufarbeitungDie Bundesbeauftragte für die Unterlagen deStaatssicherheitsdienstes der ehemaligen DeutschenDemokratischen RepublikFreistaat Sachsen

 

Weitere Kooperationen:
 

Zentrum für zeithistorische Forschung PotsdamHumanities, Sozial- und Kulturgeschichte