
NVA-Plakat © BArch Plak 100-055-040
"Aus religiösen und ähnlichen Gründen", hieß es ehemals in der DDR, könne man statt Wehrdienst einen waffenlosen Bausoldatendienst leisten. Jede weitere berufliche Fortentwicklung war nach einem Dienst als Bausoldat jedoch sehr erschwert. Viele junge Männer beugten sich deshalb dem Druck und stellten sich dem Dienst an der Waffe. Bis 1990 machten trotzdem ca. 15.000 Männer von der Möglichkeit des "Spatendienstes" Gebrauch. Während seiner Zeit als Bausoldat schreibt und erhält Sebastian Kranich Briefe. Im Sommer 2006 entsteht daraus ein Buch: "Erst auf Christus hören, dann auf die Genossen. Bausoldatenbriefe: Merseburg, Wolfen, Welzow 1988/89".
"Im November 1988 verschlug es mich aus einer Kindheit und Jugend in Dresden als NVA-Bausoldat nach Merseburg. Mitte Dezember 1989 kam ich wieder frei. Dazwischen lag eine Zeit voller Monotonie, Quälereien und Ängste, Frust und Wut, Zorn und Aufbegehren, Verweigerungen und Widerstand, voll von Dingen, die ich längst vergessen hatte. In einer alten Plastiktüte schlummerten die Zeugen dieses Jahres – Briefe von Eltern, Klassenkameraden, Freunden und von Gerit, meiner jetzigen Frau: Briefe einer beginnenden Liebe, geschrieben in der Situation fortwährender Trennung und der Agonie und den Erschütterungen der letzten Zeit der alten DDR. Aus diesen Briefen ist ein Buch entstanden über den Alltag bei der Armee und darüber hinaus. Ein Buch über Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe, christlichen Glauben und Pazifismus. Ein Buch darüber, wie man auch in dunkler Zeit überleben kann. Und ein Buch darüber, dass die Geschichten im Leben bisweilen gut ausgehen ..."
Sebastian Kranich
ZEIT: 03. Februar, 20.00 Uhr
ORT: Verein Zeit-Geschichte(n) e.V., Große Ulrichstr. 5, 06108 Halle
Weitere Informationen finden Sie hier: www.zeit-geschichten.de
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