Ein ganz normaler Geheimdienst? Zur Bildung des DDR-Staatssicherheitsdienstes vor
50 Jahren
Vortrag mit Dr. Jens Gieseke
Der Umgang mit dem Erbe der Staatssicherheit ist noch immer in aller Munde. Was wissen wir über diesen Apparat? Handelte es sich um einen "ganz normalen Geheimdienst", wie die Verteidiger des SED-Staates heute gerne behaupten? Jens Gieseke untersucht in seinem Vortrag die zentralen Mythen über die "Stasi" – vor und nach 1989 – und stellt sie den Ergebnissen von fast zwanzig Jahren aktengestützter Forschung gegenüber.
Im Zentrum seiner Analyse steht die Frage nach den Triebkräften und Folgen der fast schrankenlosen Expansion des Stasi-Apparates: Welche Rolle spielten nachrichtendienstliche Aufgaben tatsächlich? Wo benutzte die Staatssicherheit die Suche nach Spionen und Agenten als Vorwand für die massenhafte Überwachung der eigenen Bevölkerung? Wie beeinflusste die Stasi die westdeutsche Politik?
Ort: Dokumentations- und Gedenkstätte der BStU in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Stasi Hermannstraße 34b 18055 Rostock astrostock@bstu.bund.de www.bstu.bund.de
Die revolutionäre Umwälzung von 1989/90 betraf das ökonomische System der DDR ebenso wie das politische. Im Spätherbst 1989 war klar, dass die in Ineffizienz erstarrte Planwirtschaft ohne Zukunft war. Zugleich begann das wirtschaftliche Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten, vielfach noch ungesteuert, beflügelt durch die Initiative vieler Wagemutiger und einiger "Goldgräber", die die Gelegenheit für ein gutes Geschäft gekommen sahen. Die Angleichung der DDR an die ökonomischen Strukturen der Bundesrepublik bereitete die staatliche Einheit vor. Alternative Vorstellungen zur Revolutionierung des ostdeutschen Wirtschaftssystems blieben auf der Strecke.